Namibias Süden - weit, ursprünglich & abwechslungsreich
Geschrieben am: 12. April 2026
Im Süden Namibias erkunde ich auf einer 4WD-Mietwagenreise fantastische Landschaften wie die Kalahari, die Namibwüste und den Fish River Canyon. Auch wenn in Namibia derzeit neue Straßen angelegt und weitere Abschnitte asphaltiert werden, so fährt man im Süden doch überwiegend auf Pad (Piste). Und das kann in der Regenzeit zu einem kleinen Abenteuer werden...
Gästefarm Kiripotib
Nach der morgendlichen Ankunft mit discover airlines nonstop aus München übernehme ich meinen Mietwagen von Europcar unmittelbar am Flughafen. Nach nur 10 km verlasse ich sogleich den neu gebauten Freeway (Autobahn) und fahre auf Piste in ca. 2 Stunden zur Gästefarm Kiripotib. Das ist Namibia wie ich es liebe: Ruhe, Sonnenschein und eine authentische Unterkunft auf einer Farm. Gastfreundschaft steht hier an erster Stelle. Kiripotib liegt am Rande der Kalahari und bietet in der Trockenzeit Astrotourismus an. Einige Monate im Jahr sind alle Gästezimmer von Segelfliegern ausgebucht. Auf Kiripotib werden bunte Webarbeiten hergestellt, die Gastgeberin ist gelernte Goldschmiedin. Kunsthandwerk hat hier seinen Stellenwert. Es gibt leckeres Farmessen und abends ein erstes Oryx-Steak vom Grill. Auf dem Sunset Drive sehen wir einige Antilopen und Giraffen aus der Ferne. Während des Sonnenuntergangs lausche ich der Natur Afrikas.
Bagatelle Kalahari Game Ranch
Der zweite Stopp meiner Reise bringt mich mitten hinein in die rostroten Sanddünen der Kalahari. Bagatelle liegt auf einem wunderschönen Fleckchen Erde. Von den Dünen-Chalets genießt man als Gast einen Ausblick in die Ferne. Auch die Savannah-Chalets sind eingebettet in die Dünen. Von hier aus gehe ich einige Schritte zum Haupthaus mit Restaurant, Bar und Pool. Dort sind die Gartenzimmer untergebracht. Vom Souvenir Shop bin ich etwas überwältigt. Aufregend aber ist der Sunset Drive. Er führt über die Dünen, zu Wasserlöchern und zeigt eine große Vielfalt an Leben in der Kalahari: Oryx-Antilopen, Giraffen, Löffelhunde, Gnus und Strauße sind nur einige der Tiere, dich ich zu sehen bekomme. Anschließend geht es noch auf einen kurzen Abstecher zum Gehege der geretteten Geparden.
Am nächsten Morgen ist um Punkt 7 Uhr Abmarsch mit den San. Ich lerne die Klicklaute ihrer Sprache und vieles über ihre Traditionen und das einfache Leben in der Kalahari. Die San Buschleute wussten sich immer zu helfen, aßen Straußeneier, nutzten die Eierschalen als Wasserbehälter und jagten mit kleinem Pfeil und Bogen, was sie kriegen konnten. Nach 1 km im Dorf angekommen gibt es Armbänder aus Leder und Straußeneischalen zu kaufen und einen Einblick in das frühere, sehr einfache Leben der San. Der Ausflug ist kurzweilig und wirklich spannend.
Weiterfahrt auf Piste nach Regen
In einer Hadsch fahre ich weiter zur Fish River Lodge. Als ich mich schon nahe am Ziel wähne, überrascht mich eine überflutete und dadurch ein Stück weit ausgewaschene bzw. weggeschwemmte Piste mit recht tiefer Furt. Glücklicherweise bin ich nicht der einzige hier. Weitere Mietwagenreisende finden sich hinter mir ein. Auch auf der anderen Seite warten bereits Fahrzeuge, die Wasserstelle zu queren. Ein Unimog ist vor Ort, auch ein Team einer nahegelegenen Gästefarm. Gerade wird die Durchfahrt getestet. Nach einer knappen Stunde kann auch ich passieren. Obwohl mir zu Beginn noch etwas mulmig bei dem Gedanken ist, ermutigen mich die Namibianer und behalten Recht: Mit einem Toyota Fortuner 4x4 geht alles gut. Aufgrund der Pistenverhältnisse fahre ich allerdings anschließend nochmals zwei weitere Stunden bis zur Fish River Lodge.
Es sind Momentaufnahmen. Doch wenn man in der Regenzeit zur falschen Zeit am falschen Ort ist, dann kann eine Mietwagenreise durch Namibia durchaus abenteuerlich werden. Wichtig ist, sicher zu stellen, wie tief das Wasser ist und ob es tatsächlich passierbar ist. Über die Ufer getretene Flüsse haben große Kräfte und können Autos fortspülen. In der Lodge treffe ich später auf zwei Schweizer, die mit ihrem Auto im Schlamm steckengeblieben sind. Auf ihrer Route waren sie ganz alleine unterwegs.
Fish River Lodge
Schon beim Betreten der Fish River Lodge ist der Anblick überwältigend. Ich blicke direkt über oder in die Canyon-Landschaft des Fish River. Die moderne, minimalistische und chice Einrichtung der Lodge gefällt mir. Fensterfronten ermöglichen aus Restaurant und Bar jederzeit den Blick nach draußen. Der Infinity Pool liegt bildgewaltig neben zwei malerischen Köcherbaumen, das Wasser ist allerdings empfindlich frisch. Während meines Aufenthalts ist es sehr windig am Canyonrand.
Nach einem leckeren 3-Gang-Menü falle ich müde ins Bett. Am nächsten Morgen steht eine Wanderung hinunter in die Schlucht bis zum Fish River an. Der Einstieg erfolgt am Stahlseil, ist aber gut machbar. Einige Passagen führen über Geröll und in der sogenannten jelly legs gorge benutze ich beim Abstieg über die hohen Felsen auch meine Hände. Unser Guide erklärt uns Wissenswertes über Geologie und Flora im Canyon und wir kommen an einigen wunderschönen Stellen vorbei. Mittags endlich am Fluss angekommen, wartet ein frisch zubereitetes Essen auf mich und auch die Lodge-Gäste, die per Allradwagen die Schlucht hinabgefahren wurden.
Unterwegs lassen sich Bergzebras, Klippspringer und Aloengewächse finden. Doch die Fahrt im offenen Safari-Fahrzeug ist anstrengend. Der Guide holpert über blanke Felsen. Besonders in der letzten Reihe hüpfe ich ab und an aus meinem Sitz. Trotzdem ist dieser Tagesausflug absolut zu empfehlen - ob man sich nun fahren lässt oder - wer fit genug ist und zur kühleren Jahreszeit ab April den Fish River Canyon besucht - wandert. Für mich bot sich die einmalige Gelegenheit, Wanderung und Fahrt zu mischen.
Lüderitz am rauen Atlantik
Weiter ging es für mich ans Meer, genauer gesagt nach Lüderitz, in die Gründungsstadt Namibias. Und was für ein traumhaftes Wetter mich dort erwartete... 33° C sind am kalten Benguelastrom doch eher eine Seltenheit. Die kleine Oase Aus lasse ich zu meiner Linken liegen, kurz darauf komme ich an der Tränke der verwilderten Pferde vorbei, die auch sogleich angetrabt kommen. Anschließend geht es hinab durch die Namib. Die Straße ist links und rechts von Nationalpark gesäumt, die Gegend bietet unter anderem Oryx-Antilopen, Straußen und den seltenen Braunen Hyänen Lebensraum.
Lüderitz liegt auf blanken Granitfelsen. Die bunten Häuserfassaden machen die kleine Stadt bei Sonnenschein fast schon schmuck. Wer sich für Geschichte interessiert, ist hier absolut richtig: Felsenkirche und Goerke-Haus lassen sich gut zu Fuß erkunden. In meinem Hotel, dem Nest Hotel, bietet ein beheizter Pool etwas Abkühlung. Auf der Halbinsel Shark Island kann sich ein Sonnenuntergang genießen lassen und am Abend kehre ich beim Portuguese Fishermen auf leckere Meeresfrüchte und Fisch ein.
Am nächsten Morgen will ich mit dem Boot rausfahren. Mit Penguin Catamaran Tours geht es bis zur Halifax Insel hinaus. Hier lebt eine Kolonie Brillenpinguine - die gleiche Art wie in Simons Town bei Kapstadt. Unterwegs beobachten wir Robben und Delfine im Wasser sowie Kormorane an Land und in der Luft. Die Tour führt am Diaz Point mit seinem Leuchtturm vorbei, den man auch auf dem Landweg erreicht. Mein Favorit aber ist der Anblick vom Meer aus.
Kolmannskuppe, der Instagram-Hit
Nächster Besichtigungspunkt ist Kolmanskop, die fotogene und sehr beliebte ehemalige Diamantensiedlung. Noch vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Lüderitz einen Diamantenboom. In Kolmanskop sollen bis zu 400 Menschen gelebt haben. Prunk und Reichtum waren allerdings von kurzer Dauer. Heutzutage erobert sich der Sand der Namibwüste nach und nach die Siedlung zurück. Man kann einsturzgefährdete Gebäude auf eigene Gefahr betreten und beispielsweise die Kegelbahn sehen. Die Eintrittsgebühr für den international Reisenden liegt inzwischen bei NAD 230 pro Person für den Besuch am Vormittag. Zu meinem Besuch war bis 16 Uhr geöffnet, obwohl die allgemeine Angabe im Internet 13 Uhr ist. Am besten passt man die Besuchszeit so an, dass man an einer geführten Tour um 9.30 Uhr oder um 11 Uhr teilnehmen kann. So wird die Geschichte ein Stück weit lebendig.
Tirasberge, D707 & die Ranch Koiimasis
Für mich ging es weiter in die Tirasberge. Obwohl die D707 als Traumstraße Namibias bekannt ist, sind die Tirasberge noch off the beaten track. Die Piste führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Namibwüste und dunklen Granitbergen. Anfang April 2026 sprießt das Gras, grüne Büschel, gelbe wogende Gräser, blauer Himmel, roter Namibsand, alles steht im farblichen Kontrast. Ein Regenbogen und Gewitter bringen weitere Farben zum Vorschein. Unterwegs begegnen mir einige Strauße und Oryxe. Ansonsten ist es sehr ruhig auf der Pad.
Mein Etappenziel ist die Ranch Koiimasis, auf der die Fest Inn Fels Lodge liegt. Schön in den Hang gebaut liegen die vier Chalets mit Pool und Restaurant vor mir. Stille erwartet mich. Mit dem deutschstämmigen Eigentümer der Lodge erkunde ich das Farmgelände auf einer interessanten Tour über die Geschichte der Gegend mit Anekdoten von den San Buschleuten. Den Abschluss bildet ein farbenfroher Sundowner. Die Küche ist deutsch-namibisch und reichlich. Es gibt unter anderem auch wieder Wildfleisch.
Am nächsten Tag lasse ich es zunächst ruhig angehen, mache ich mich dann aber doch auf eine der ausgeschilderten Wanderungen den Felshang hinauf. Vom Plateau blicke ich zur einen Seite auf die Tirasberge und zur anderen Seite auf die Namibwüste. Auf dem Farmgelände wachsen zwischen Felsen auch vereinzelte Köcherbäume, die ein malerisches Bild abgeben. Es bleibt Zeit am Pool und für Unterhaltungen, ehe ich abreise.
BüllsPort in der Naukluft
Wiederum erwartet mich eine lange Etappe auf Pad. Es geht in die Naukluft (das Sossusvlei lasse ich auf dieser Reise aus). Dunkle Regenwolken schon am Morgen verheißen nichts Gutes. Zum Glück komme ich gut durch. Von der Gästefarm BüllsPort aus, hatte ich geplant, die Köcherbaumschlucht zu besuchen. Doch eine Regenfront mit 18° C lässt meine Pläne regelrecht ins Wasser fallen. So endet bei guter Unterhaltung und leckerem Farmessen mein Besuch in der Naukluft ohne Wanderung.
Bei der Köcherbaumschlucht handelt es sich um eine abwechslungsreiche 5 km lange Tour durch ein Trockenflussbett. Häufig lassen sich auch Kudus, Zebras oder Klippspringer beobachten. Man bucht den Ausflug bei BüllsPort, wird zum Ausgangspunkt der Wanderung gefahren und am Wegesende auch wieder abgeholt.
Nach einer weiteren sehr regenreichen Nacht fahre ich zunächst über eine extrem aufgeweichte Piste und bin froh, als ich den Abzweig erreiche. Mit der Zeit wird die Fahrt etwas einfacher. Im Khomas Hochland angekommen ist es nahezu trocken und die letzten Kilometer ab Rehoboth führen mich so oder so über Asphalt zum Flughafen. Auf dem Weg kehre ich noch auf einen Burger in Aris ein. Kaffee und Kuchen sind hier übrigens auch sehr zu empfehlen. Und so endet meine etwas abenteuerliche Mietwagenreise durch den weitläufigen, einsamen und abwechslungsreichen Süden Namibias mit 2.000 km auf dem Tacho.
Spätestens seit ich zum ersten Mal in Namibia war, hat mich das Virus Africanus fest im Griff. Seither zieht es mich regelmäßig nach Afrika. Im südlichen Afrika war ich vielfach als Selbstfahrer unterwegs und gebe gerne Tipps aus erster Hand an Sie weiter.